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Ausgrabung einer Wald-Glashütte „Proterobas"

ProterobasSchwarze Perlen, schwarze Knöpfe, schwarze Gläser: Zeugnisse eines ganz bedeutenden Industriezweiges im Fichtelgebirge liegen noch in großer Zahl unter der Erde verborgen. Mittelalterliche Produktionsstätten dafür waren Wald-Glashütten, denn hier gab es genug Holz zum Befeuern der Schmelzöfen und Wasser aus kleinen Bächen zum Kühlen der glühenden Schmelztiegel und Hafen.

Exportiert wurden die Glaswaren, darunter die reich bemalten Ochsenkopfgläser, in ganz Europa. Grabungsfunde in Afrika und Amerika belegen eine noch weitere Reise der schwarz glänzenden Perlen aus der Ochsenkopfregion.

Glasperlen und Knöpfe - Ausgrabungen 2006Wieder lebendig wird die Tradition des Glas-Machens durch die Ausgrabung von Überresten einer Wald-Glashütte zur Knopfherstellung bei Fichtelberg-Neubau. Als „Außenstelle" der nahe gelegenen Glasmuseen entstand hier ein Informationspunkt, der über das Ausgangsmaterial, die damalige Technik und den Arbeitsalltag Auskunft gibt.

Projektträger für das LEADER+ - Projekt war das Landratsamt Bayreuth, fachliche Unterstützung erhielt es durch die Naturwissenschaftliche Gesellschaft Bayreuth. Die Bruttogesamtkosten in Höhe von knapp 46.000 € wurden zu 50% gefördert.

Projektinhalte:

Das Projekt umfasste eine geomagnetische Untersuchung zur Auffindung der genauen Glasofenstandorte als Bestandteile einer Wald-Glashütte, die Ausgrabung, die Rekonstruktion einer Glasofenanlage als Beispiel, drei Informationstafeln über die Herstellung des seltenen „Schwarzen Glases" an der Fundstelle und die Dokumentation der Funde. Eine Auswahl der Funde wurde nach Abschluss des Projektes im örtlichen Glas-Museum ausgestellt.

Rohstoff für Knöpfe, Perlen und Hohlgläser ist Grünstein oder „grüner Porphyr", ein Basaltgestein, das bei großer Hitze geschmolzen und dabei schwarz glänzend wird.

Natürliche Vorkommen an Grünstein finden sich in einem Gesteinsgang bei Fichtelberg-Neubau und ziehen über den Ochsenkopf bis Bischofsgrün.

Im 16. und 17. Jahrhundert war das Fichtelgebirge ein wichtiges Zentrum der Glasindustrie. Etwa 80.000 Fundstücke, vor allem schwarze Glasknöpfe – etliche noch mit Metallöse, einige auch bemalt – sowie aus der ebenfalls dort stattgefundenen Waldglasproduktion Reste von Butzenscheiben und Flaschen konnten bei der Grabung im August und September 2004 dokumentiert werden. Daneben wurden einige Grundsteine gefunden, die man einem Glasofen zuordnete, außerdem eine Vielzahl an Produktionsabfällen.

Da bei dieser Grabung keine Fundamente gefunden wurden, die eindeutig als Glasofen erkennbar waren, errichtete man keinen originalgetreuen Ofennachbau, sondern ein Glasmacherdenkmal mit einem symbolischen Ofengrundriss. Erhaltene Ofenfundamente entdeckte man erst bei der Folgegrabung (s. u.) in unmittelbarer Nähe der ersten Grabung.Glashütte TafelnGlashütte Ofen

Ziele des Projekts

Vermittlung der kulturellen Vielfalt und der Originalität der Region, im Einzelnen durch:

  • Hervorhebung der Bedeutung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Glashütten für die Besiedlungsgeschichte
  • Herausstellung der Einzigartigkeit des „Schwarzen Glases" und Darlegung der Produktpalette
  • Darstellung der Glashüttentradition in der Region sowie der Fortschritte in der Glashüttentechnik
  • und damit Darstellung der Region als lebendigen und geschichtsbewussten Lebensraum

Wirkung/Nutzen:

  • Steigerung der lokalgeschichtlichen und kulturhistorischen Erlebnisvielfalt für Regionsfremde und Bewohner des Fichtelgebirges
  • Bewahrung von Fachwissen Einheimischer und Einbindung in das Projekt
  • Stärkung der Identifikation der einheimischen Bevölkerung mit dem kulturellen Erbe
  • Schaffen von Synergien zwischen Fremdenverkehr, Handel, Forschung, Schulen, Kunst und Kultur
  • dazu Förderung des Wissens in der Region um die Einzigartigkeit des „Schwarzen Glases" und der Glashüttentradition
  • Vernetzung der vorhandenen Museen, Bergwerke und Ausstellungen rund um das Thema Glas und Ergänzung um den Schritt der Verhüttung
  • Schaffen einer Basis für eine internationale Zusammenarbeit im Bereich Glasforschung

Folgegrabungen

Folgegrabungen, die 2006 über andere Geldgeber liefen, wurden von der Universität Bamberg durchgeführt und brachten Grundmauern von Glasschmelzöfen sowie weitere unzählige Stücke aus der damaligen Glaswarenproduktion zutage.

Als Nachfolgeprojekt wurde noch im LEADER+ - Zeitraum, aber über eine Förderung nach der Naturparkrichtlinie, ein Glaswanderweg ausgeschildert, der von Weidenberg über Warmensteinach, Neugrün und Fichtelberg vorbei an den Glasmuseen nach Bischofsgrün führt und die wichtigsten Stätten der ehemaligen Glasproduktion beschreibt. Der Weg zur Grabungsstelle wurde von Fichtelberg herkommend ausgeschildert und in das Netzwerk der drei Glasmuseen und fünf Glasmacherorte eingebunden.

Ein weiteres Projekt im Förderzeitraum Leader in ELER widmet sich der Vermarktung des Glaswanderweges.

Link: Glaswanderweg